Das Trendwetter in London


Photo: Hanspeter Kuenzler - self portrait




ALLTAG


Briten emigrieren
Gemäss Ziffern vom Office for National Statistics sind in der vergangenen Dekade zwei Millionen Briten aus ihrem Land emigriert. Allein 2006 zogen 200'000 Briten anderswohin. 6% davon sind Pensionäre, die sich zumeist nach Spanien zurückziehen. Dort wohnen eh schon viele Briten. Oft sind es entwischte Ganoven, weswegen die Südküste in The Sun meist nur noch "Costa de Crime" heisst. Der grösste Anteil arbeitsfähiger Emigranten segelt heute in Richtung Australien ab. Es wird das Bier sein.

Der Osten immigriert

Neuesten offziellen Ziffern zufolge stammt jeder vierte Bewohner der Stadt Boston in Lincolnshire aus Osteuropa. In der Stadt leben rund 58'000 Menschen. Insgesamt werden in der Stadt 65 verschiedene Fremdsprachen gesprochen. Es gibt auch den Gegentrend: Gemäss einer Studie von Institute for Public Policy Research sei seit 2004 eine Million Osteuropäer in England angekommen, davon hätten sich 20% in London niedergelassen. Aber unterdessen seien auch wieder 500'000 zurück gezogen.

Kein Wettbewerb mehr für die allerjüngsten Möchtegern-Fussballstars

Die englische Football Association wird in der kommenden Saison keine Ligen für Junioren unter acht Jahren mehr sanktionieren. Der Ex-Internatioanle Trevor Brooking, der bei der FA heute für den Bereich Talentförderung zuständig ist, erklärte, ein übertriebenes Wettbewerbdenken schon bei den Jüngsten hätte dazu geführt, dass vielerorts das Siegen mit allen Mitteln wichtiger sei als das Entwickeln von technischen Fähigkeiten.

Norman Foster's Timeshare-Superyachten

Toparchitekt Lord Norman Foster hat eine Superyacht entworfen, die im Stil von Ferienwohnungen an diversen Costas del Grässlich als Timeshares verkauft werden sollen. Die erste solche Yacht ist 45 Meter lang, kostet £ 16 Millionen und wird im September in Italien ausgeliefert. Zwanzig reiche Menschen - darunter Foster selber - sollen bisher je £ 2 Millionen hingeblättert haben, um am Projekt YachtPlus teilzunehmen. Geplant sind insgesamt zehn solche Boote. Die Beteiligten können pro Jahr 34 Nächte auf dem Schiff verbringen könnten.

Die zwanzig Shops in London, die man nicht verpassen könne

Die Fachzeitschrift Retail Week hat eine Liste von zwanzig Shops in London veröffentlicht, die man nicht verpassen dürfe. Die Liste basiert auf einer Umfrage bei den Direktoren diverser Top-Läden. Hier ist sie: Bamford & Sons, Ralph Lauren, Trilogy, Borough Market, Play Lounge (Spielzeuge), Tri and Run (Triathlon), Rippon Cheese Store, James Smith & Sons (Regenschirme), John Lewis Oxford Street, Nike Town, Peter Jones, Selfridges, Apple Store, La Fromagerie Marylebone, Tate Gallery Shop, Le Pascalou deli, Harveys Nichols, USA Pro (Frauensport), Hamleys (Spielzeuge). So bemerkenswert wie erstaunlich und begrüssenswert: Kein Harrods! Aber leider auch kein Rough Trade Records. Und kein einziger Bücherladen. Daunt Books in Marylebone ware ein Muss.

Schwimmen bei Teenagern nicht mehr populär

1993 sprangen noch 25% aller Teenager zwischen 11 und 18 Jahren mindestens einmal in der Woche irgendwo in ein Swimming-Pool. Jetzt sind es bloss noch 10%. Als Grund geben die Schwimmklubs die Konkurrenz von Computer-Spielen und anderen, trendigeren Sportaktivitäten an. Der Schwund ist in der Tat kurios, zumal heute bestimmt mehr Teenager den Sommer an einem Strand verbringen als damals. Man würde also meinen, dass sie auch ausserhalb der Ferienzeiten gern ein paar Längen ziehen würden. Vielleicht liegts aber auch einfach am Standard der öffentlichen Schwimmbäder...

Für Velos bald keine Einbahnstrassen mehr?

Im Londoner Bezirk Kensington amd Chelsea wird probeweise in gewissen Strassen das Einbahngebot für Fahrräder aufgehoben. Dadurch sollen noch mehr Londoner dazu bewogen werden, aufs Velo umzusteigen. Die Behörden liessen auch durchschimmern, dass ein Anlass für den Versuch auch die Tatsache gewesen war, dass viele Radler Einbahntafeln eh ignorieren. Der prominenteste Ignorator ist David Cameron, der Häuptling der Konservativen Partei.

Der Rubik-Würfel vor dem Comeback?

Der Einkäufer der Warenhauskette Woolworths prophezeit auf Weihnachten hin einen Rubikwürfel-Boom. Der begann vor zwei Jahren mit dem Will Smith-Film "The Pursuit of Happyness" und soll jetzt im Rahmen des derzeitigen, durch Sudoko gestarteten Trendes für "brain puzzles" bald zur Hochblüte finden.

Prinz Charles ganz grün unterwegs

Der neueste Betriebsreport vom Haushalt der Queen hat zutage gefördert, dass Prinz Charles seine private Autoflote auf Biologisch umgerüstet hat. So wird sein geliebter Aston Martin heute von Abfallwein aus den englischen Rebbergen angetrieben. Seine restlichen Jaguare, Land-Rover und Audis laufen mit gebrauchtem Kochöl.

Lifestyle-Unterschiede

Eine neue Studie von der Association of Public Health Observatories hat frappante Unterschiede betreffs gesundem, beziehungsweise ungesundem Leben im Land gefunden. Diese zeigen zumeist auch die Existenz eines Attitude-Grabens zwischen Norden und Süden auf. So liegen auf der positiven Seite gleich fünf Londoner Bezirke zuvorderst in der Hitparade der breastfeeding mothers: In Lambeth, Barnet, Richmond, Kingston und Camden füttern 90% aller Mütter ihre Kinder selber. Dagegen sind es in Knowsley bei Liverpool nur 33,23%. Dies womöglich deswegen, weil in solchen Gegenden die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass die Muttermilch vornehmlich aus Alkohol besteht. So saufen in Newcastle 28,93% aller Erwachsenen täglich mehr als doppelt so viel Alkohol, als gemäss Aerzten gesundheitlich unschädlich ist. Die Ziffer beläuft sich für Harrow, Redbridge, Hillingdon, Bexley und Bromley - alles Quartiere und Satellitenstädte von London - nur auf ungefähr 10%. In Kensington & Chelsea essen 45,75% aller Erwachsenen täglich fünf Portionen Früchte oder Gemüse. Im nördlichen Hartlepool sind es 15,77%. Im Norden gibt es auch mehr psychiatrische Probleme: In Liverpool bezieht 6,37% der arbeitenden Bevölkerung Sozialunterstützung wegen psychischen Problemen. Andererseits sind 8,31% der weiblichen Bevölkerung zwischen 15 und 17 im Londoner Bezirk Lambeth - da, wo auch am meisten Babies gesäugt werden - schon mal schwanger gewesen.

Erster grüner Dance-Klub in London

Am 10. Juli wird in King's Cross in der Bar Surya der erste Londoner Grün-Klub eröffnet. Der Tanzboden ist auf Federn eingerichtet, und die Vibrationen, die durch's Tanzen entstehen, werden so in Energie umgewandelt. Dazu sorgen eine Windturbine und Sonnenenergie dafür, dass der Klub selbstversorgend ist. An der Bar werden nur organisch hergestellte Spirituosen ausgeschenkt. Die Becher sind biologisch abbaubar. Der Eintritt kostet £ 10 - aber wer beweisen kann, dass er zu Fuss, mit dem Velo oder mit Public Transport erschienen ist, kommt gratis hinein. Der Klub ist die Idee eines Andrew Charalambous. Dieser ist ein Gönner der Tory-Partei und es gehören ihm in Nordlondon um die 1000 Gebäude. Charalambous steht auch einer neuen Umweltschutzorganisation namens Club4Climate vor. Kurioserweise lehnte es die Organisation Friends of the Earth ab, den Profit des Klubs sachdienlich anzubringen - der Klub fördere die Benützung von Flugzeugen, das könne nicht mit dem FoTE-Kredo vereinbart werden. http://www.club4climate.com/

Gratisparkieren für Elektrowagen abgeschafft

Um mehr Autofahrer zu den Freuden des Elektrowagens zu bekehren bekam jeder Käufer eines solchen Gefährtes seit 2001 einen Ausweis, der ihm das Gratisparkieren auf allen öffentlichen Parkplätzen in der Innenstadt gewährte. Auf Ende Jahr hin schafft die City of London - also ein kleiner Bezirk ganz im Zentrum - diesen Discount ab. Zuviele Elektrofahrer hätten davon Gebrauch gemacht. Anderswo in London gilt der Parkiervorteil weiter.

Cricket-Revolution

Die Traditionalisten unter den Cricket-Fans haben sich noch immer nicht an das "One Day Game" gewöhnt. Für sie ist Cricket nur dann richtiges Cricket, wenn das Spiel vier Tage lang dauert. Nun droht ihre Welt ganz zusammenzubrechen. Seit ein paar Jahren gibt es 20/20 Cricket. Diese Fassung dauert noch weniger lang als einen Tag. Beide Seiten dürfen in dieser Version nur 20 Overs bowlen (sprich: sie dürfen sechs Mal zwanzig Bälle werfen, derweil das gegnerische Team ebenso viele Bälle abwehren muss ? dann wird getauscht). Dieses neue Spiel ist sehr viel dynamischer und schneller als die Urfassung. Jetzt wird immer mehr Geld da hinein gepumpt. Kurioserweise kamen die Inder zuerst auf den Geschmack. Sie starteten die Premier League, die sehr erfolgreich ist, warben dafür für teures Geld internationale Stars an. Jetzt lockt auch in England der 20/20-Zaster. Der Gewinner der 20/20-Champions League kassiert im Oktober £ 2,5 Millionen. Jetzt fangen die County-Teams an, spezielle 20/20-Teams heranzuzüchten.

Bodyguard-Boom

Immer mehr reiche Londoner lassen sich von Security-Firmen um die Uhr bewachen. Londonweit vermeldet diese Firmen 70% mehr Meet-and-Greet-Jobs, also ein Service, wo sie den Kunden vom eigenen Auto zu seiner Haustür begleiten und sicher stellen, dass dieser heil in seinen vier Wänden ankommt. Für zusätzliches Geld kann man auch einen Begleitwagen mieten, dessen Aufgabe es ist, darüber zu wachen, dass der Kunde nicht verfolgt wird. Die Firma 1st Class Protection - der Managing Direktor war mal Einsatzspezialist in der israelischen Armee - verzeichne täglich zweihundert Aufträge.

Polizisten mit Kameras

Die Polizei in der Grafschaft Essex ist auf eine neue Methode verfallen, Problemteenagern auf die Pelle zu rücken. Polizeistreifen, zu deren Revier eine Sozialbausiedlung in der Nähe von Basildon gehört, sind mit Photoapparaten ausgerüstet worden. Herumlungernde Teenager werden sofort photographier. Weil dies nicht im Versteckten passiert, braucht es dafür keine Sonderbewilligung. Und auf offener Strasse kann in England jeder jeden photographieren, auch ohne Erlaubnis. Offenbar ist die Chance, photographiert zu werden, für viele Jugendliche schon ein guter Grund, nicht auf die Strasse zu gehen.

Selbstgemachte Kleider wieder in

Eine junge Businessfrau hat ein in den 70er Jahren äusserst populäres Kleiderkonzept wiederbelebt "Clothkits". Dabei handelte es sich quasi um Bausätze fürs Selberstricken, -nähen und -häkeln von mehr oder minder coolen Gewändern. Während der Glanzzeit der Marke arbeiteten vierhundert Mitarbeiter in der Fabrik in Sussex. Nach einem Besitzerwechsel wurde Clothkits 1991 mangels Zuspruch eingestellt. Jetzt hat die 35jährige Kay Mawer die Idee wieder aufgegriffen. Zum Angebot gehört Women?s und Children?s Wear, dazu Strickpuppen. http://www.clothkits.co.uk/

Bruch mit der royalen Briefmarkentradition

Erstmals ist das unausgesprochene Gesetz gebrochen worden, auf Briefmarken der Royal Mail andere lebenden Grössen abzubilden als die Queen - es sei denn, sie seien Teil einer Gruppe, wie zum Beispiel dem siegreichen Cricket-Team von 2005. Mit einer neuen Serie ist die Regel gebrochen worden: diese Marken zeigen Film-Poster für britische Horrorfilme sowie die Filme der Carry-On-Serie. Das bedeutet, dass ausgerechnet Dracula Chirstopher Lee und Busenwunder Shirley Eaton - das goldbemalte Goldfinger-Bond-Girl - als Pioniere hervortreten.

Lollipop-Kameras

Lollipop-Ladies sind ein typisch englisches Phänomen: zumeist lächelnde ältere Damen ganz in Zitronengelb, die vor Schulen auf den Strassen stehen und - wenn sich genügend Schüler am Strassenrand angesammelt haben - mit strammem Schritt vor den Verkehr treten und eine Stopp-Tafel in der Form eines Lollipop von sich strecken. Diese Lollipops sollen jetzt mit CCTV ausgerüstet werden. Denn die Fälle von Aggressionen von Autofahrern den Lollipop-Ladies gegenüber haben sich stark gehäuft. Ungeduldige Autofahrer haben auch schon Lollipop-Ladies über den Haufen gefahren.

Taxi billiger als Zug

Gemäss Sunday Times ist es jetzt billiger, für gewisse längere Routen den Taxi statt den Zug zu nehmen, wenn man nicht zum Voraus buchen kann. So kostet eine Retourfahrt berechnet für zwei Personen von London nach Birmingham per Taxi £ 240, per Zug £ 246. Nach Bath ist es mit dem Taxi £ 260, mit dem Zug £ 266. Nach Swindon kostet es £ 180 mit dem Taxi, £ 196 mit dem Zug. Und nach Doncaster £ 260 mit dem Taxi, £ 328 mit dem Zug.

Zeppelin über London

Eine deutsche Firma organisiert ab vom 10. Juli bis am 21. August Zeppelinrundflüge über London. Dabei werden drei Routen beflogen. Sie dauern 30 Minuten (£ 185), 45 Minuten (£ 195) und eine Stunde (£ 260). Die Flüge starten vom Damnys Hall Airfield in der Nähe von Upminster, Nordostlondon. http://www.staroverlondon.co.uk/

Kinder permanent vor dem TV

Eine Studie von der Market Research-Firma Childwise hat ergeben, dass 79% aller Kinder zwischen fünf und sechzehn Jahren in England einen eigenen Fernsehapparat im Kinderzimmer stehen haben. 58% schauen während des Nachtessens Fernseh. 63% sehen im Bett vor dem Einschlafen fern. 23% haben Internet-Zugang im eigenen Zimmer. 56% dieser Internetbenützer machen bei Social Networking-Sites mit: 32% bei Bebo, 24% bei Windows Live Space, 20% bei Pizco, 17 % bei MySpace, 7% bei Facebook und 2% bei einem Schul-Network.

Greenwich-Riesenrad

Zehn Kilometer östlich vom bestehenden London Wheel und ziemlich genau auf dem Meridian in Greenwich ist temporär ein zweites Riesenrad eingerichtet worden. Es ist sechzig Meter hoch und verfügt über 36 rundum transparente Kabinen, von denen aus man weit ins "Themse-Delta" hinunterblicken kann. Ueberdies steht es vor dem Old Royal Naval College, einem Glanzlicht in Sachen Wren-Architektur, in welchem das in der Tat beeindruckende National Maritime Museum daheim ist. http://www.greenwichwheel.com/


FOOD & DRINK

Ungeliebte Fische plötzlich beliebt

Der Mangel an ökologisch vertretbarem Kabeljau, der das Fish & Chips-Business in eine Krise gestürzt hat, hat dafür den Verkauf von anderen Fischarten stark gefördert. So ist der Verkauf von Pollack, der bis anhin als "Armutsfisch" galt, ein Fisch, der nur im Notfall gegessen wurde, im Vergleich zu 2007 in diesem Jahr bereits um 171% angestiegen. Sea Bass ist um 31% besser abgesetzt worden, Tintenfisch um 52% und Cornish Sprat um 46,7%. Interessant der Fall der schottischen Langustine: bis anhin hatte die schottische Fischindustrie die lokalen Langustinen nur zu billigen "Scampi" verbraten (also ein bisschen Fleisch eingebacken in einem schaurig fettigen Teig). Jetzt hat man plötzlich gemerkt, dass Langustinen ja besonders in Spanien als Leckerbissen gelten ? entsprechend angestiegen ist der Export. Auch in England sind 48% mehr verkauft worden. Selbst Karpfen und Coley sollen ein Comeback auf dem Teller machen.

Gebrüder Yau 1: Neuer Japaner

Dermassen ins Absurde geschossen sind die Preise in gewissen Londoner Restaurants, dass der Food-Kritiker des Independent on Sunday, Terry Durack, beschlossen hat, sein Budget auf £ 80 für zwei Leute zu limitieren. So kam er mächtig ins Rotieren, als er das neue Sushi-Restaurant von Gary Yau, Aaya, ausprobieren sollte. Die Hälfte des Angebotes lag nicht drin, und in Sachen Wein musste er sich mit einem billigen Patagonier begnügen. Trotzdem soll das Restaurant auch fürs "kleine Budget" brillante Sushi bieten. Aaya, 66-70 Brewer Street, W1.

Gebrüder Yau 2: Billiger Chinese - und überhaupt Alan Yau

Alan Yau, Bruder des oben genannten Gary, hat gleich um die Ecke von dessen Aaya ein modernes, chinesisches Nudelrestaurant gestartet. Dieses widmet sich der Nudelkultur nicht nur von ganz China, sondern auch von Hongkong und Malaysien und Singapur. Die Resultate sind in der Tat billig und schmackhaft. Das Konzept hat das Potential, sich in ein neues Wagamama zu entwickeln. Zufälligerweise ist Alan Yau auch der Begründer jener hocherfolgreichen Kette von eher japanischen Nudelrestaurants. Zudem ist Alan Yau für ein weiteres neues japanisches Restaurant von ihm, Sake No Hana, vom ?Good Food Guide London? gerade die Auszeichnung "bestes neues Restaurant des Jahres" verpasst worden. Cha Cha Moon, 15 - 21 Ganton Street, W1. Und Sake No Hana, 23 St. James?s Street, SW1.

Mahiki plant Expansion und neuen Whiskey-Club

Piers Adam und Nick House, die Männer hinter der High-Society-Tiki-Bar Mahiki, wo insbesondere die Prinzen Harry und William gern ihren überflüssigen Zaster loswerden, planen eine neue Whiskey-Bar für Bankiers und Finanzleute in der Altersgruppe 40+. Dem Zielpublikum sei das medienbezogene Soho zu schmuddelig, deswegen soll ihnen "Whiskey Mist" im Hilton Hotel an der Park Lane in Mayfair eine Alternative bieten. Es gehe auch darum, Whiskey in Grossbritannien "cool" zu machen - denn UK sei das einzige Land auf der Welt, wo Whiskey noch nicht als cool gelte. Derweil soll der Mahiki-Brand ins Ausland expandieren.

Die besten Bars in London gemäss Time Out

Time Out hat eine neue Liste von den besten Bars in London zusammengestellt. Here goes:
1) Coburg Bar, im Hotel Connaught, Carlos Place, W1; Spezialität: Cocktails und Wein
2) The White Horse, 1 - 3 Parsons Green, SW6; Bier
3) Hawksmoore, 157 Commercial Street, E1; historisch angehauchte Cocktails, Tiki
4) Milk & Honey, 61 Poland Street, W1; Cocktails
5) Lonsdale, 44 ? 48 Lonsdale Road, W11; internationale Mixes
6) Mandarin Bar, Mandarin Oriental Hotel, 66 Knightsbridge, SW1; Klassik
7) Vinoteca, 7 St. John Street, E1; Wein.
8) Shochu Lounge, 37 Charlotte Street, W1; Shochu-Mixturen
9) Rake, 14 Winchester Walk, SE1; Bier
10) The Warrington, 93 Warrington Crescent, W9; Bier und Gordon Ramsey

Anti-Mineralwasser-Boom

Der seit geraumer Weile anhaltende Anti-Mineralwasser-Trend (eine ökologische Idiotie, zumal viele Wässerchen ganz ähnlich schmecken wie Hahnenwasser - dazu eine üble Last fürs Portemonnaie) greift immer weiter um sich. So ist Fläschenwasser z. B. in der Kantine des Parlamentes nicht mehr zu haben. Und bei den Restaurantkritiken des Evening Standard wird neuerdings speziell vermerkt, wie einfach es ist, den Kellner dazu zu überreden, statt Fizzywater Hahnenwasser zu servieren. Es gibt dabei ein Punktesystem: Fünf Tropfen für "no problem", kein Tropfen für "can't have".

Deutsche Italo-Chain richtet sich in London ein

Preiswert, qualitativ hervorragend und schnell - so die ersten Kritiken für die erste Filiale der deutschen Italo-Kette Vapiano in London. Sie ist ideal gelegen ganz in der Nähe des Oxford Circus. 19 - 21 Great Portland Street, W1.

Das Rauchverbot führt nicht zu Restaurant-Boom

In Vorbereitung auf das Rauchverbot rüsteten viele Pubs vor einem Jahr ihre Küche auf. Sie stellten sich vor, dass mehr Leute bei ihnen essen würden, wenn nicht mehr geraucht würde. Das hat sich als Fehlinvestition erwiesen. Denn der Credit-Crunch - die Tatsache, dass die Banken in der Krise stecken und mit Kredit jetzt vorsichtig umgehen - hat dazu geführt, dass vor allem die Middle Class weniger auswärts isst. Sogar erfolgreiche Ketten wie Wagamama und Gaucho Grill bekamen das zu spüren und verschoben darum ihre Floatation an der Börse. Anderswo versuchen desperate Pub-Firmen, ähnliche Probleme auf ihre Pächter abzuwälzen (sie lösten die Brauereien ab, als Ende der 80er Jahre ein Gesetz eingeführt wurde, wonach im Namen des Antimonopoles niemand mehr als ein paar tausend Pubs besitzen durfte: die Grossbrauereien mussten viele Pubs abstossen ? sie wurden von den neu gegründeten Pubfirmen gekauft, die mit ihrem Angebot nicht mehr an einzelne Brauereien gebunden waren). Ausgerechnet Vince Power, einst Besitzer der grössten und besten Konzertlokalkette in London, Mean Fiddler, hilft nun, die Selbsthileforganisation FairPint mitzufinanzieren, die Wirten hilft, ihre Interessen gegenüber gemeinen Pub-Konzernen zu wahren.

Fergus Drenna

Der 36jährige Schreiber und Sammler plant, sich ein Jahr lang nur von wilden Lebensmitteln zu ernähren. Drennan stand schon hinter der TV-Serie "The Roadkill Chef", wo gezeigt wurde, wie man aus tierischen Verkehrsopfern leckere Mahlzeiten zubereiten konnte. Dazu hat er die Firma Wild Man Wild Food lanciert, die diverse Restaurantküchen in London mit frischem ?Gemüse? aus Wald und Wiesen beliefert. http://www.wildmanwildfood.com/ http://www.theecologist.org/pages/archive_detail.asp?content_id=711

Abenteuerliche Speisekarte

Cruse 9 heisst ein neues abenteuerlustiges Restaurant in Islington. Die Speisekarte von Chef-Koch Taher Djeebet umfasst Köstlichkeiten wie Artischoken-Suppe mit Trüffelöl und Pastinaken-Crisps, im Cider gedämpfte Muscheln serviert mit einem Seegras-Julienne, Lamm à la Marocaine, Mönchsfisch-Steaks mit Tabbouleh-Salat. Cruse 9, 62 Halliford Street, N1.

Oeko-politisch korrekter Fisch & Chips-Laden

Tom Aiken hat einen Fisch & Chips-Laden eingerichtet, wo man ohne jede Bedenken, einen Fischspezies auszurotten oder die Luft noch mehr zu verpesten, zulangen kann. Serviert wird zum Beispiel nur Kabeljau aus vertretbaren Fischereien. Andere Fische wie Pollock, Red Gurnard, Squid oder Sole sind von Menschenhand entweder mit Fischerrute gefangen oder sonst von einem Kleinbetrieb aus dem Meer gefischt worden. Natürlich sind auch alle Behälter recyclebar, und das Wegwerfbesteck ist aus Maisstärke hergestellt. Die Preise sind allerdings saftig ? Chelsea angemessen halt. Im Schnitt kostet eine Portion Fisch und Chips rund £ 10. ?Tom?s Place?, 1 Cale Street, SW3.


ARTS - MEDIA

Ex-Girlfriends als Kino-Hit

Ueberraschungs-Hit in den britischen Kinos: Die cineastische Abhandlung von Möchtegern-Regisseur Chris Waitt über seine vergangenen Lieben. Er ist ihnen allen nachgestiegen und hat sie über ihre Beweggründe, ex geworden zu sein, befragt. Selbstverständlich dienen zur Publicity auch Interviews mit den betroffenen Exen. "A Complex History of My Sexual Failures". http://www.list.co.uk/article/8826-edinburgh-international-film-festival-chris-waitt-interview/

Martin Creeds Spurt-Installation

In Tate Britain läuft bis im November die neueste Installation von Martin Creed. Läuft ist hier buchstäblich gemeint. Die Installation besteht darin, dass alle dreissig Sekunden jemand so schnell's geht den 86 Meter langen Korridor der Gallerie hinuntersprintet. Nach fünfzehn Sekunden Pause sprinter der nächste Sprinter. Die Sprinter bekommen £ 10 die Stunde und arbeiten jeweils vier Stunden lang. Es ist in der Tat ein kurioses Erlebnis, dieser Dada-Sprinterei zuzuschauen. Warum? Wohin? Genau in diesen Fragen bestehe das Mysterium des Stückes, sagt der Künstler. Tate Britain, bis am 16. November.

Orange-Preis
Der Orange-Preis - ausgezeichnet werden dabei ausschliesslich schreibenden Frauen - ging dieses Jahr an Rose Tremain. Sie gewann die Auszeichnung für ihren Einwanderer-Roman "The Road Home" und kassiert dafür £ 30'000.

Schwarzes Kulturarchiv

Ein Beitrag in der Höhe von £ 4 Millionen aus dem Landeslotterie-Fond ermöglicht es, dass in der lange leer gestandenen Raleigh-Halle im Windrush Square in Brixton ein Archiv für schwarze Kultur in Grossbritannien eingerichtet werden kann. Das Black Cultural Archive soll rechtzeitig auf die Olympiade 2012 in London hin öffentlich zugänglich sein. http://www.bcaheritage.org.uk/


LEUTE


Jamie Hince

Kurios, wie bis vor Kurzem nur die allertrendigsten Hähne nach der ?Band? von Jamie Hince krähten, The Kills. Seit der Gitarrist aber am Arm von Kate Moss hängt, haben The Kills eine Medienpräsenz, als stünden sie gleich vor dem ganz grossen Durchbruch. Dabei ist das Duo The Kills eine strikt drittklassige Uebersetzung des White Stripes-Konzeptes ins englische Indietum, komplett mit abgegriffenen Texten über Abstürze und so.

Agyness Deyn

Das Supermodel mit dem superdoofen Namen ist derzeit omnipräsent in den britischen Medien. Das hat ihrer Musikkarriere wenig geholfen. Die Konzerte und auch die neue CD ihrer Band Five O?Clock Heroes wird rundum gnadenlos verrissen.

Levi Roots

Der einstige Reggaemusikant - er spielte und sang in der Band Matic 16 und bespielte etliche Soloalben, zuletzt 2006 "Red Hot" mit den Top-Produzenten Mafia & Fluxy - ist zum Volkshelden avanciert. Der einstige Keith Tenyue alias Keith Graham wurde ich Jamaika geboren, wuchs in London auf, gehörte zum Coxsone Sound System, und landete prompt im Knast (Drogen, Widerstand gegen Staatsgewalt). In den letzten Jahren fing er in seiner Küche an, die Pfeffersauce seiner Grossmutter zu produzieren und zum Beispiel an seinem Stand am Notting Hill Carnival zu verkaufen (im vorletzten Jahr gingen 4000 Fläschchen weg). Dann nahm er an der englischen Reality-TV-Show "Dragon's Den" teil: hier sitzt ein halbes Dutzend Real-Life-Krösuse in ihren Sesseln, derweil eine Reihe von Real-Life-Möchtegern-Krösusen ihre Erfindungen vorstellen. Wenn sie dies schlau tun, gelingt es ihnen, einen oder mehrere der Krösuse zu einer Real-Life-Investition zu überreden. Levi Roots tat dies besonders geschickt - in dem er seinen Sales-Pitch mittels charmantem Reggae-Liedchen vortrug. Obwohl sein Businessplan an einer falschen Rechnung scheiterte, beteiligten sich zwei Krösuse an seinem Geschäft. Jetzt ist die in der Tat saugute Sauce überall zu haben - Motto: "Put Music in your Food". Jeder kennt Levi Roots - und diesem läuft beim Einkaufen in Brixton ein ganzer Rattenschwanz von Fans hinten nach. http://www.reggae-reggae.co.uk/

Salman Rushdie

Der Schriftsteller mit dem schiefen Blick geht unter die Schauspieler. In "Then She Found Me" spielt er die Rolle eines Arztes. Er schmiert Helen Hunt Jelly auf den Bauch, um ihr mittels auf dem Computer den Scan des dort befindlichen Embryo zu zeigen. "Then She Found Me" ist der erste Film, bei dem die Oscar-Gewinnerin selber Regie führt. Dazu spielt sie die Hauptrolle. Der Film handelt von einer Lehrerin, die unbedingt ein Kind will, im entscheidenden Moment aber vom Ehemann sitzen gelassen wird.

MUSIK

Glastonbury-Effekt 1

Auch dieses Jahr wieder haben sich überzeugende Auftritte beim Glastonbury-Festival höchst positiv auf die Verkaufsziffern der betreffenden Bands ausgewirkt. Gemäss Midweek-Charts - die Zwischenpositionen, die Mitte Woche in der Musikindustrie zirkuliert werden - profitierten zuerst die Kings of Leon, deren letzten beiden (alten) Alben wieder in die Top 40, bzw. Top 60 vorrückten. Derweil es in den Tagen nach dem Festival schien, als hätte sich der Auftritt von Rapper Jay-Z nicht gelohnt, sind seine Verkaufsziffern in den nachfolgenden Tagen doch noch hinaufgeschossen. Sein Album ?The Black Album? verkaufte plötzlich das Fünffache. Als bekannt wurde, dass Jay-Z als Samstags-Headliner gebucht worden sei, protestierten viele Indie-Fans, darunter Noel Gallagher. Rap gehöre nicht an eine Gitarrenfestival. Jay-Z revanchierte sich, indem er zum Start seines Auftrittes "Wonderwall" kredenzte, samt Zitaten von Noel G. Resultat: "Wonderwall" von Oasis ist wieder in den Charts, und "What's the Story (Morning Glory)" hat ebenfalls 18% Verkäufe zugelegt. Weitere Profiteure: Amy Whinehouse, MGMT (CD zurück in den Top 20), Raconteurs und Elbow. Glastonbury ist ja unterdessen ein gewaltiger Medienzirkus: Die BBC überträgt das Festival drei Tage lang auf zwei konventionellen Kanälen, dazu kann man mit Digital-TV ständig zwischen fünf Live-Uebertragungen wählen.


Glastonbury-Effekt 2

Im Vergleich zum Vorjahr sind der Polizei in Glastonbury doppelt so viele Kriminalfälle reportiert worden. Das letzte Jahr waren es 236, diesmal 489. Dabei handelte es sich vor allem um Diebstähle.



Wet Sounds

Eine neue Unterwasser-Musik-Installation soll ein gänzlich neues Klanggefühl vermitteln. Die Klänge umklammern den Schwimmer förmlich. Hinter dem Projekt steht der Tontechniker Joel Cahen, Ex-Mitglied der wegweisenden Elektronikband Cabaret Voltaire. Cahen richtete seine erste Installation in einem Swimming Pool im Ostlondoner Stadtteil Hackney ein. Dann geht?s damit auf England-Tournee. Wenn alles gut geht, soll es dereinst eine permanente Installation geben. www.newtoy.org


Musicals - ein Risiko

Angesichts des gewaltigen Erfolges, den gewisse Musicals vor allem auch im Touristenmarkt verbuchen, verwundert es nicht, dass manches Kommerztheater im West End auf Musicals setzt. Allerdings hat es zuletzt ein paar kapitale Flops gegeben. Gerade wurde wieder ein Musical nach bloss vier Tagen eingestellt, "All Bob?s Women" handelte von einem modernen Casanova und erntete Kritiken wie: "Ich habe mir grösste Mühe gegeben, mich einen grässlicheren Abend im Theater zu erinnern, aber es gelang mir nicht" (Daily Telegraph), "Gewisse Musicals müssten mit der Auflage versehen werden, sich keinem Theater zu nähern" (whatsonstage.com). Auch eine Musical-Version von "Gone With The Wind" floppte nach nur 79 Vorstellungen. Darunter litten nicht nur die Geldgeber, sondern auch Star-Regisseur Trevor Nunn, der bis dahin als sicherer Wert gegolten hatte. Jetzt versucht man es im Theater, wo "Wind" floppte, mit einem Musical über den Holocaust. Die Inszenierung von "Imagine This" kostet £ 5 Millionen.


Musicals - Erfolg

Sehr gut angekommen ist andererseits die Musical-Version des besten Reggae-Filmes aller Zeiten, "The Harder They Come". Der Streifen mit Jimmy Cliff in der Hauptrolle war damals massgeblich für die Verbreitung des Reggae über die Insider-Kreise hinaus verantwortlich. Der Soundtrack ist ein Klassiker unter Reggae-Alben. Das Musical soll den Geist des Filmes wunderbar auf die Bühne umsetzen. http://www.thehardertheycomelondon.com/


Spitz Club

Der höchst gehobene Club im Spitalfields Market hat ja vor einiger Zeit sein Daheim verloren. Eine neue Bleibe ist noch nicht gefunden, dafür hat man nun ein Plattenlabel lanciert, Spitz Records. Erster Release: Ein singender Songschreiber ? offenbar ? genannt Parkbench. CD-Lancierung am 7. Juli in der geistesverwandten Vibe-Bar in der Truman's Brewery, Brick Lane. http://www.myspace.com/parkbenchfromthechinamen


Retro noch mehr retro

Die meisten Retrobands haben sich bis anhin an den mittleren Sixties orientiert und sich die diversen Schaffensphasen der Beatles, der Stones und der Who zum Vorbild genommen. In letzter Zeit sind vor allem die Damen auf den Geschmack von Girl-Pop und Soul aus den frühen Sixties gekommen: Duffy, Winehouse, Adelle und auf ihrem Solo-Albumdebut auch Sharleen Spiteri (die Sängerin von Texas) pendeln zwischen Post-Dusty-Springfield und Post-Shirelles. Anderswo in London wird nun aber noch weiter zurückgeblickt. So orientiert sich Pete Molinari äusserst glaubwürdig am ganz frühen Bob Dylan. Das Duo Congregation - sie lernten sich in einem Second Hand-Plattenladen kennen - kredenzt zeitgenössischen Blues, derweil Vincent Vincent and the Villains halbironisch auf den Rock'n'Roll zurückblicken. Dem neuen Interesse am "Nochfrüher" wird durch ein hervorragend recherchiertes Buch Rechnung getragen. "The Restless Generation - how Rock music changed the face of 1959s Britain" heisst es und stammt von Pete Frame (bekannt als Zeichner der witzigen und filigranen Rock Family Trees). Verlag Rogan House, £ 18.99. Das Buch ist hoch interessant, aber auch unglaublich detailiert und verlangt dem Leser so einiges ab in Sachen Konzentrationsfähigkeit im Umgang mit unzähligen Namen, die er meistens zum ersten Mal hört.


Astoria am Ende

Das populäre Konzertlokal Astoria bei der U-Bahnstation Tottenham Court Road wird definitiv abgerissen. Es muss einem neuen Eisenbahnausbau Platz machen. Das neue Gebäude soll dereinst aber auch ein neues Konzertlokal beheimaten. Im Astoria spielten einst Bands wie Nirvana und die Rolling Stones. Ausserdem war hier der höchst populäre Schwulenklub G.A.Y. daheim. Aber in letzter Zeit ist es ziemlich schmuddelig geworden.